Schauspiel Stuttgart

Das Imperium des Schönen

Uraufführung von Nis-Momme Stockmann

Zwei ungleiche Brüder – erfolgreicher Intellektueller der eine, Lebenskünstler der andere – reisen mit ihren Partnerinnen nach Japan. Vier unterschiedliche Lebensentwürfe prallen aufeinander, und wieder einmal zeigt sich, dass der Kampf um das eigene Wertesystem im Privaten mit der gleichen Unbarmherzigkeit ausgetragen wird wie im globalen Maßstab. Die Konfrontation mit einer fremden Kultur, die mit ganz eigenen sozialen Codes funktioniert, wirkt als Brandbeschleuniger. Die Situation eskaliert, Weltbilder geraten auf den Prüfstand – am Ende liegen alle Gewissheiten in Scherben. 

Die unbeschadete Koexistenz zweier Parallelwirklichkeiten ist so alt wie das Sprechen an sich. In der jüngsten Vergangenheit ist diese geradezu paradigmatisch für das gesellschaftliche Plateau des frühen 21. Jahrhunderts geworden, „alternative Fakten“ heißt das Schlagwort der Stunde. Gibt es sie noch, die Wahrheit?

Nis-Momme Stockmanns Text entstand als Auftragswerk für die Frankfurter Positionen, ein seit 2001 bestehendes interdisziplinäres Uraufführungsfestival, das sich als Forschungslabor zu aktuellen Themen der Zeit versteht. Heute steht die Frage nach den Grenzen der Verständigung im Zentrum. Erschweren das Erstarken politischer und religiöser Fundamentalismen und die Zunahme autoritärer Denkmuster die Kommunikation, weil die Gesellschaft immer weiter auseinanderdriftet? Gibt es noch ein „Wir“, das miteinander spricht?

Ein Werkauftrag für die Frankfurter Positionen 2019 – Festival für neue Werke. Eine Initiative der BHF BANK Stiftung

Presse

„[Nis-Momme Stockmann] meldet … sich mit einem ausgefeilten Konversationsstück zurück und überrascht insofern, als "Das Imperium des Schönen" stilistisch weit von dem entfernt ist, was er zu Beginn seiner Karriere geschrieben hat. Das ist kein Textflächen-Stück, sondern der dialogischen Schreibkunst einer Yasmina Reza verpflichtet. Und den Familienausflug in die Fremde einer vom Shintoismus, dem Zen-Buddhismus und Konfuzianismus geprägten Kultur kann man auch als Reflexion über die Sollbruchstellen der deutschen Gesellschaft lesen, in der Schichten und Milieus sich immer fremder gegenüberstehen. Diesen kühlen Text der starken Emotionen sollte man genau so spielen, wie er da steht.“ Süddeutsche Zeitung

„[Kurzum: Hier haben wir ein Stück in oft atemlosem, glänzendem Neudeutsch, virtuos gebaut wie eine große Sonate mit allerhand Scherzi, Tiefgang und Tempo. Es ist, alles in allem, ein Stück über uns, [und] stellt mehr Fragen als es Antworten hat […].“ Stuttgarter Zeitung

„Stockmann gelingt es […] mit seiner Dialogführung, die Figuren glaubwürdig und alltagsnah zu gestalten, bis hinein in die eine finale Eskalation, Abreise, Trennung. […] Es hängt alles an den sechs Schauspielern, und die dürfen sich manchmal sehr ungehemmt austoben, sind aber allesamt großartig [...]. Auf die lange Dauer schafft es [die Aufführung], die Double-Binds und vielen Widersprüche der Figuren schmerzhaft sichtbar zu machen, die Konflikt-Verleugnung, das falsche Theoretisieren.“ Deutschlandfunk Kultur heute

„Wirklich klug ist Laniks Regie, indem sie die beiden Söhne – ein androgynes Duo, grandios gespielt von den Nachwuchsschauspielern Marielle Layher und Daniel Fleischmann – zu den Drahtziehern des Geschehens macht: zwei schreckliche Streber-Monster im jungmatrosenhaften Internatsdress, böse Kraft-durch-Freude-Buben mit sadistischer Lust am zerstörten Leben der Anderen.“ Eßlinger Zeitung

„Nis-Momme Stockmann hat ein ausgezeichnetes Gespür für missglückende Kommunikation, für die permanenten Missverständnisse und Manipulatiönchen und für die Gereiztheit gerade unter der glatten, so genannten kultivierten Oberfläche. […] Lanik und das Ensemble [finden] eine Bewegungssprache, die die Komplexheit des gesprochenen Wortes virtuos in kleinen Unregelmäßigkeiten und Verzwirbelungen spiegelt.“ Frankfurter Rundschau

Regie

Tina Lanik

Dramaturgie

Carolin Losch

Licht

Stefan Schmidt

Besetzung

Katharina Hauter Adriana
Marco Massafra Falk
Nina Siewert Maja
Martin Bruchmann Matze
Daniel Fleischmann Ignaz
Marielle Layher Ismael

Einführung

eine halbe Stunde vor Beginn | Spiegelfoyer

 

Nachgespräch

im Anschluss an die Vorstellung | Spiegelfoyer

 

Information

Bei diesem Stück gibt es keine Pause.

Abo Fr, VB Fr

Preise

24 Euro / 12 Euro

Theater Baden-Baden


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